Europäischer Parkverbund Lausitz gegründet

„Von Graf Brühl bis Fürst Pückler“ – unter diesem Dach gründeten am 16. November 2010 die Stiftung „Fürst Pückler-Park Bad Muskau“ und die Stadt Bad Muskau für den deutschen Teil des Muskauer Parks, die Gemeinde Łęknica für den polnischen Teil des Park Mużakowski, die Stadt Cottbus und die Stiftung Fürst-Pückler-Museum, Park und Schloss Branitz, die polnische Gemeinde Brody/Pförten sowie die Stadt Forst für den Ostdeutschen Rosengarten einen grenzübergreifenden Parkverbund.

 

Der Parkverbund soll bereits bestehende Initiativen und Aktivitäten vernetzen und Impulse für eine weitere fruchtbare Zusammenarbeit, insbesondere auf dem touristischen Gebiet, geben. Mit der Initiative soll die regionale Identität gestärkt, der Bekanntheitsgrad der Region und ihrer Parkschätze verbessert und das Zusammenwachsen historisch geteilter Kulturlandschaften im europäischen Kontext gefördert werden.

Mit der Unterzeichnung der Rahmenvereinbarung in der Kapelle der Schlossanlage Brody am Nachmittag des 16.11.2010 steckten die Beteiligten aber auch konkrete Ziele für die nächsten Jahre ab. Bespielsweise richtet der Ostdeutsche Rosengarten im Jahr 2013 die Deutsche Rosenschau aus, der Muskauer Park wird im Jahr 2015 zweihundert Jahre alt. All das sind chancenreiche Anlässe und gewichtige touristische Impulsgeber für diese gemeinsame Region Brandenburgs, Sachsens und der polnischen Woiwodschaft Lubuskie. In diesem Zusammenhang fand bereits einen Tag zuvor der Umzug einer Tochterpflanze der Pücklerschen Blutbuche von Bad Muskau nach Brody statt. Deren Pflanzung konnte aufgrund des völlig durchnässten Wiesenbereichs auf der Schlosswiese im Park Brody im Anschluss an die Festveranstaltung dann zwar nicht vorgenommen werden. Nach ihrer baldigen fachgerechten Pflanzung steht die Blutbuchentochter im Pförtener Schlosspark in Zukunft als sichtbares Zeichen für den Parkverbund, von dem – so es auch gelingt, Fördermittel für die weitere Entwicklung und gemeinsame touristische Vermarktung der Anlagen zu gewinnen – neue wirtschaftliche und kulturelle Impulse für die Region zu erwarten sind.

Hintergrund:
Für die Parkanlagen des Parkverbunds „Von Graf Brühl bis Fürst Pückler“ beginnt die gemeinsame Geschichte bereits mit der sächsisch-polnischen Union Ende des 17. Jahrhunderts. In dieser Zeit geriet das strategisch günstig auf der Reiseroute des polnischen Königs von Dresden nach Warschau gelegene Pförten/Brody ins Interesse des sächsischen Premierministers Heinrich von Brühl. Er erhob den kleinen Ort zu seiner wichtigsten Besitzung, indem er die Schloss,- Park- und Ortslage umfassend erweiterte und an einem barocken Koordinatenraster ausrichtete. Als besonderes Zeichen der Verbundenheit mit seiner sächsischen Standesherrschaft in der Lausitz wählte Graf Brühl die in seinem Auftrag umgestaltete Stadtkirche in Forst heute Brandenburg – als letzte Ruhestätte. Im Verlauf der Geschichte wurde Schloss Pförten/Brody im Kontext der Fehde zwischen Friederich dem Großen und Graf Brühl im Siebenjährigen Krieg und später im Zweiten Weltkrieg nochmals zerstört.

Der geborene Sachse Fürst Pückler begann im Jahr des Wiener Kongresses 1815 seinen fortan zu Preußen gehörenden Besitz in Muskau zu einem legendären Landschaftskunstwerk auszugestalten. Der Zweite Weltkrieg führte im Muskauer Park zu schwerwiegenden Zerstörungen und durch die Oder-Neiße-Grenze zur jahrzehntelangen Teilung der Anlage. Die Wunden dieser Zeit sind dank der vorbildgebenden deutsch-polnischen Zusammenarbeit mittlerweile weitgehend geheilt worden, was mit der Anerkennung des Muskauer Parks als UNESCO-Weltkulturerbe 2004 auch international gewürdigt wurde.

Im von Muskau nur 40km entfernten Branitz schuf Fürst Pückler seinen zweiten großen Landschaftspark, der heute ebenfalls den Rang eines international herausragenden Gartendenkmals einnimmt. Der Park ist ikonografisch als „Biografischer Lebensatlas“ des kosmopolitischen Pückler zu lesen, und die phänomenale Seepyramide, eine Reminiszenz an seine Nilreise, wurde 1871 zu seiner Begräbnisstätte.

Die über Jahrhunderte schwelenden Konflikte zwischen Sachsen und Preußen, welche auch die Lebensläufe und das Schaffen Graf Brühls und Fürst Pücklers so signifikant prägten, wurden im Todesjahr Pücklers durch die Gründung des Deutschen Kaiserreichs gebannt.

Aus Anlass des 25. Thronjubiläums des deutschen Kaisers Wilhelm II. wurde in Forst auf gräflich brühlschen Ländereien direkt an der Neiße ein Rosengarten angelegt, der heute als Ostdeutscher Rosengarten Forst (Lausitz) zu den bedeutendsten Parkanlagen seiner Art in der Bundesrepublik Deutschland zählt und im Jahr 2009 als „Deutschlands schönster Park“ ausgezeichnet wurde.

Der Parkverbund „Von Graf Brühl bis Fürst Pückler“ bietet für die Zukunft die einzigartige Möglichkeit, das kulturhistorische Erbe der beiden Lausitzer Persönlichkeiten Brühl und Pückler nicht zuletzt dank gemeinsamer Förderplattformen zu tradieren, zu restaurieren sowie zu entwickeln und in einem innovativen Ansatz grenzüberschreitend zu vermitteln.

Quelle: www.muskauer-park.de

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