LR: Der Brühl-Fan aus Brody

Lausitzer Rundschau, Ausgabe Forst vom 8. Mai 2014

Der Brühl-Fan aus Brody
Tomasz Niemiec fühlt sich der Geschichte seiner Heimat verbunden
von Angela Hanschke

20140508_LR_Tomasz Niemiec_Foto Angela Hanschke
Der Brühl-Fan aus Brody Tomasz Niemiec (l.) im Gespräch mit Ausstellungsbesucher Jörg Pazzig. Foto: Angela Hanschke

Forst. Geschichte ist für manche Zeitgenossen eines der letzten Abenteuer. Einer, der diesem Fieber erlegen ist, ist Tomasz Niemiec aus Brody. Quasi als einer der Erben von Heinrich Schliemann spürt er seit einigen Jahren der Vergangenheit seines Heimatortes nach.

Aufsehen haben während des Forster Geschichtsstammtisches zum Aufruhr des Jahres 1848 in Sacro in der Kulturkirche Sacro die Vitrinen mit historischen Fundstücken aus Brody (Pförten) erregt, die in Nachbarschaft der Ausstellung „Links und rechts der Neiße – Erinnerungen an das einstige Brühlsche Reich“ aufgebaut wurden. Zu verdanken ist die kleine Schau dem 32-jährigen Tomasz Niemiec aus Brody, der sich sehr für die glanzvolle Geschichte des einstigen Pförten interessiert. Woher diese Begeisterung kommt? „Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Diese Geschichte ist auch meine Geschichte“, lautet die Antwort des Geschichtsenthusiasten, der in Brody ein kleines Heimatmuseum aufbaut. Und sich unter Brody/Pförten/History via Facebook mit Gleichgesinnten austauscht.

Lesefunde auf Äckern

Schon als Kind trug er die ersten Fundstücke zusammen. Das war Anlass, sich intensiver mit dem Leben und Wirken des einstigen kurfürstlich-sächsischen und königlich-polnischen Premierministers Heinrich Graf von Brühl und seinem „Reich“, der Standesherrschaft Forst und Pförten mit dem links und rechts der Neiße 54 709 Hektar umfassenden Landbesitz sowie den Städten Forst und Pförten und über 60 Dörfern zählte, zu befassen. Einige Stücke fand er als Lesefunde auf Ackerflächen. Einen kleinen Teil davon stellte er in Sacro aus. Uniformknöpfe sowie ein kleines Porzellanfragment mit dem Brühl´schen Wappen waren ebenso darunter wie Fuhrwerksmarken, der Verschluss eines Porzellanpfeifenkopfs aus dem Jahre 1840, Musketenkugeln aus Blei sowie ein Salznäpfchen aus dem ehemaligen „Hotel Weißer Adler“ in Pförten.

Auch einige Fotografien aus der frühen Nachkriegszeit hat er zusammengetragen. So auch Aufnahmen aus den 1960er-Jahren, als im ehemaligen Kavaliershaus eine landwirtschaftliche Ausbildungsstätte für polnische Militärangehörige bestand. Einiges ersteigerte Tomasz Niemiec, der seit sieben Jahren in Guben arbeitet und sehr gut Deutsch spricht, im Internet. Unter anderem auch Notgeld mit Ansichten von Kirche und Armenhaus sowie dem Forster Tor.

Brief aus dem Jahr 1790

Sehr stolz ist er auf einen Brief aus dem Brühl´schen Schloss vom Jahre 1790, der mit einem Freimaurersiegel versehen ist. Bereits sein Vater habe sich für die Geschichte interessiert, so der Geschichtsfreund. Auf dem elterlichen Hof der ehemaligen Gaststätte in Nabloto (Nahberg) fanden sich unter dem Fußboden historische Papiere, die der Vater der Grundschule in Brody übergab. Doch diese seien inzwischen verloren, bedauert Tomasz Niemiec und verrät seinen großen Traum: Einmal ein Teil vom berühmten Schwanenservice zu finden, das zwischen 1737 und 1742 entstand und einst mehr als 3000 Einzelteile umfasste. „Als mein Vater im Jahre 1948 als Achtjähriger nach Brody kam, hat er noch einige Teile gesehen“. Die Ausstellung in der Kulturkirche kann noch bis zum 11. Mai immer sonntags oder nach Absprache besichtigt werden.

Die Sonderausstellung im Dorfmuseum „Reichsgraf Heinrich von Ocieszyno Brühl und seine Feuerordnung von 1744“ wird bis zum 25. Mai gezeigt.

Angela Hanschke / aha1

Quelle: www.lr-online.de

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s