MB: Gute Nachrichten aus Brühls Brody

Der Märkische Bote vom 8. Augsut 2014

Pförten - Quelle Märkischer Bote 8_August_2014Es tut sich was in Pförten / Das Gasthaus trug einen Ordensnamen:
Konrad Donner aus der Cottbuser Wohnparkstraße findet: „Am Schloss tut sich was. Das Dach ist neu gedeckt, und Fassadengerüste lassen weitere Aktivitäten vermuten. Die flankierenden Kavalierhäuser sehen vom Innenhof her attraktiv aus.“ Damit hat unsere Leser nach Brody/Pförten hingeführt, wo sich erfreulich viele Lausitzer auskennen.
Gerda Kubaschk vom Forstweg in Forst berichtet: „Die Großmutter meines Mannes war beim Grafen Köchin. Meine Schwiegermutter (1893 geboren) hat dort gewohnt. Als Kinder sind sie in Holzpantoffeln in die Schule gegangen. Die Baronessen hatten auch Löcher in den Socken. Die hatten immer gut zu essen, aber nie Geld.  Der von den Preußen zerschossene Saal war nur mit Tannengrüne geflickt. Leider habe ich als Jugendliche nicht viel gefragt. Deshalb kann ich die heutige Jugend nur ermutigen, ihre Eltern und Großeltern immer gründlich auszufragen.“
Fundiert gibt uns Ursula Balzer aus der  Cottbuser  Ricarda-Huch-Straße Auskunft, die zum Thema ein Buch geschrieben hat: „Nachdem Heinrich v. Brühl 1740 die Standesherrschaft Pförten mit mehreren Kammerdörfern gekauft hatte, begann in den folgenden Jahren unter Regie des Baumeisters Christoph Knöfel rege Bautätigkeit. In den Jahren 1747, 1748 und 1753 wurden in Pförten drei Stadttore errichtet (Forster Tor, Sommerfelder Tor und Gubener Tor). Von zweien existieren wohl keine Aufnahmen. Ihr Rätselbild zeigt das Forster Tor noch mit beiden anliegenden Wohnhäusern. Um dem Verkehr Rechnung zu tragen, wurden beide Anbauten 1931 abgetragen und Platz für zwei Durchfahrten geschaffen. Die beiden kleinen und schmalen Durchgänge blieben für Fußgänger.
Neben dem Hauptschloss und beiden Kavalierhäusern, in denen rechts die gräfliche katholische Kapelle und Wohnungen höherer Forstbeamter und links die Hauptverwaltung aller Brühlschen Güter/Forstverwal-tung (heute Hotel und Restaurant) untergebracht waren, ließ der Minister Straßen und Plätze im Ort neu gestalten. So auch die ehemalige Forster Straße als Verbindung zum ehemaligen Marktplatz und zum Schloss. Das gut sichtbare Straßenpflaster gibt es seit 1745. Das Hotel Weißer Adler war in einem Gebäude von etwa 1750. Seit 1790, als Graf Friedrich Aloys v. Brühl vom polnischen König mit dem Orden Weißer Adler geehrt wurde, trägt das Haus diesen Namen. Um 1895 kaufte Oskar Rösler dieses Hotel, das sein Sohn Johannes ab 1928  weiterführte. Hier wurde 14-tägig der Lohn für die Waldarbeiter ausgezahlt. Große Mengen von Brathering, Braunbier und Schnaps wurden an solchen Tagen vorgehalten. Auch Tabak und Zigarren waren gefragt, das halbe Dutzend zu nur 20 Pfennigen! Der preiswerteste Pfeifentabak war der Strunk-Tabak, der aussah wie ein dickeres Seil. Er mußte noch geschnitten werden, damit die Pfeife gestopft werden konnte.
1940 wurde das Haus zunächst verpachtet, dann 1942 an Otto Krause aus Forst-Keune verkauft. Dieser soll kurz vor dem Einmarsch der russischen Armee Opfer eines Verkehrsunfalles geworden sein. Im Hotelgebäude gab es nahe dem Tor noch einen weiteren Eingang. Hier betrieb Emil Domke bis 1945 einen Lebensmittelladen. Überliefert ist, dass das Gebäude in der Silvesternacht 1947/ 1948 durch Feuerwerkskörper in Brand geriet. Die Ruine wurde später abgetragen.
Die Forster Straße war die Visitenkarte des Ortes, welcher damals Stadtrecht besaß. Hier gab es noch ein weiteres Hotel (Hotel Kronprinz) und mehrere Gaststätten. Gewerbetreibende hatten hier ihre Werkstätten. Gegenüber war früher eine Zweigstelle der Hauptsparkasse Niederlausitz. Jährlich zogen die Schützen durch die Straße, um vor dem Schloss ihren Schützenkönig zu ehren. Radrennen in den 1930er-Jahren führten immer durch das Forster Tor in Richtung der gleichnamigen Stadt. Forster Textilarbeiter kamen an den Wochenenden gern zur Sommerfrische in den Pförtener Schlosspark und füllten die hiesigen Gasthäuser.“
Bärbel Koschack aus Guben meint: „In Brody existiert das Torhaus heute noch. Durch große Anstrengungen von Polen und Deutschen wird die Schlossanlage wieder aufgebaut. Derzeit wird ein Pferdeturnierplatz angelegt. Alles ist wunderbar begehbar, die Gaststätte mit Hotel, links im ehemaligen Kavalierhaus, lädt zur gemütlichen Kaffeerunde ein. Dort haben wir kürzlich eine Hochzeit beobachten dürfen.“ Dieter Bartusch aus der Waldstraße in Cottbus-Kiekebusch hat hier mit Familie und den polnischen Enkelkindern seinen 80. Geburtstag gefeiert und bedankt sich bei Chefin Ella. Das Niederlausitz-Bild gewinnt Helga Reichstein vom Spremberger Diesterweg-Ring.

Quelle: www.maerkischer-bote.de

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